Weinseminar Toskana mit Francesca von Beust-Luti: Morellino di Scansano, Chianti riserva, Rosso di Montalcino, Carmignano, Vino Nobile di Montepulciano, LE SERRE NUOVE, Fontalloro

Guten Morgen,

heute berichte ich euch über das Weinseminar „TOSKANA D.O.C.G. UND SUPERTUSCANS“, das ich besucht habe und Frau Francesca von Beust-Luti gehalten hat.

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Mit einer gewissen Vorfreude auf die Weine der Toskana, von denen ich einige schon gut kenne (Chianti, Vino Nobile de Montepulciano), betrete ich den Kellerraum des VHS-Gebäudes und finde mich in einem nüchtern eingerichteten Klassenzimmer wieder. Auf jedem Platz finden sich zwei Weingläser und eine Flasche Wasser. Der etwas schulische und ungemütliche Ersteindruck wird jedoch gleich von der freundlichen und lebhaften Art der Seminarleiterin wettgemacht. Es geht los!

 

 

Wir trinken zuerst fünf klassische Toskanaweine:

  1. Morellino di Scansano 2013 D.O.C.G. Le Pupille
  2. Chianti riserva 2012 D.O.C.G. Piandaccoli Cosmus
  3. Rosso di Montalcino 2014 D.O.C. Argiano
  4. Carmignano 2011 D.O.C.G. Ambra Santa Cristina in Pilli
  5. Vino Nobile di Montepulciano 2010 D.O.C.G. Tenuta di Gracciano della Seta

Alle diese Weine bestehen hauptsächlich oder gar ausschließlich aus Sangiovese, der weit weniger fruchtig als beispielsweise ein Merlot ist, dafür aber Gewürz, Tabak und Kräuter mitbringt. Ich rieche und schmecke knapp zusammengefasst:

  1. Brombeer und Pflaume aber auch bitter und scharf, Lakritz, Kräuter und rote Früchte
  2. Viele schöne Tannine, Weihrauch, Leder, Vanille, Walderdbeeren, Blutorangen
  3. Früchtetee und schwarzer Pfeffer
  4. Rote Johannisbeeren-Gelee, schwarze Johannisbeeren, Süßholz
  5. Erdig, waldig, Sternanis, in Sirup eingelegte Amarenakirschen

Sangiovese hat eine gewisse Tiefe und Erdigkeit, er ist gleichzeitig gefällig und fruchtig (rote Früchte). Manchmal denkt man, dass man gerade noch auf den Trauben kaut, manchmal ist dieser Punkt nicht mehr zu spüren. Alle Weine sind dunkel, wobei manche ins Orange und manche ins Violette gehen.

Dazu essen wir Brot, Fenchelsalami, Ölivenöl aus dem Anbau der Familie der Seminarleitung, Hartkäse, Olivenpaste, Salz und Feigensenf. Inzwischen habe ich die Klassenzimmeratmosphäre vergessen und fühle mich wie in einem Gewölbekeller in der Toskana. Während wir die Weine verkosten, erfahren wir von Frau von Beust-Luti einiges Interessantes über Wein im Allgemeinen, Weine aus Italien und natürlich Weine aus der Toskana:

  • Die Qualitätsbezeichnungen D.O.C. und D.O.C.G. schreiben nicht nur vor, in welcher Region welche Rebsorten angebaut und wie diese verarbeitet werden dürfen, sondern sind auch oft ein Marketing- oder Verkaufsargument. Wer hätte das gedacht? Und so verwundert es auch nicht, dass es immer mehr D.O.C.G.-Gebiete werden…
  • D.O.C. und D.O.C.G. schützt nicht nur die Qualität in Hinblick auf Klima und Region, sondern auch – und das ist ziemlich spannend – in Hinblick auf Tradition und Menschen. So dürfen in manchen Gebieten französische Trauben angebaut werden, weil vor ein paar hundert Jahren durch eine Ehe mit einer französischen Adeligen, die dann samt ihrer Reben in die Toskana zog, eine andere Tradition begründet wurde.
  • Gerade bei Toskanaweinen erkennt man an der Braunfärbung das Alter: Von purpur über rubin zu granat.
  • Ein Brunello di Montalcino liegt mehrere Jahre im Holzfass. Wenn ein solcher Wein nur 18 € kostet, sollte sich der potentielle Käufer fragen, wie das sein kann.
  • DIE Rebsorte der Toskana ist der Sangiovese (weißer Pfeffer, Leder). Es finden sich aber auch Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.
  • Früher war es so, dass im Chianti auch eine gewisse Menge weißer Trauben sein musste. Dadurch hatte der Chianti oft eine braune, unschöne Farbe. Auch heute dürfen noch weiße Trauben beigemischt werden, allerdings nur sehr wenige und kaum jemand macht das.
  • Bei Weingütern mit zwei Weinen (Erst- und Zweitwein) sollte man in schlechten Jahrgängen den Zweitwein kaufen. Denn oft werden Trauben, die eigentlich für den Erstwein gedacht waren auf Grund des schlechten Wetters für den Zweitwein, der deutlisch günstiger ist, genommen 🙂
  • Nur sehr tiefe, extraktreiche Weine vertragen viel Holz!
  • Supertoskaner ist keine offizielle Qualitätsbezeichnung, sondern ein Wort für „super“ Weine der Toskana, die nicht als D.O.C.G. oder noch nicht einmal als D.O.C. verkauft werden dürfen, da sie bestimmte Regeln nicht erfüllen.

Und genau von diesen im letzten Punkt besprochenen Supertoskanern durften wir zwei verkosten:

  1. Le Serre Nuove dell’Ornellaia 2012 Bolgheri
  2. Fontalloro 2010

Der Erste ist ein Cuvée mit hauptsächlich Merlot, was man auch daran merkt, dass er viel, viel, viel fruchtiger ist. Er riecht nach Pflaume und Kirsche. Der Zweite, ein 100%iger Sangiovese, riecht nach Kräutern, Gewürzen, Pink Grapefruit und Brombeer.

Am Ende des Abends bin ich leicht angeheitert und habe zwei Favoriten: Den Chianti Riserva und den Le Serre Nuove, der allerdings ein Stückchen teurer ist…

Und ich habe Lust auf einen ganz anderen Toskanawein, den so vielleicht schon die Familie Medici getrunken hat: Einen FOGLIA TONDA von Piandaccoli. Mal schauen, ob ich irgendwo einen herbekomme…

Beste Grüße

Michael

3 Gedanken zu “Weinseminar Toskana mit Francesca von Beust-Luti: Morellino di Scansano, Chianti riserva, Rosso di Montalcino, Carmignano, Vino Nobile di Montepulciano, LE SERRE NUOVE, Fontalloro

  1. Kurzer Nachtrag: Gräfin von Beust-Luti erzählte auch, dass in der Toskana früher der Wein in gemauerten Räumen in der Erde (Erlgruben, -löchern) vergoren wurde – was man später aus Hygienegründen abgeschafft hat. Heutzutage gibt es „ganz moderne“ Weinherstellungsverfahren, bei denen der Wein in Amphoren vergoren wird. Das ist gar nicht so der große Unterschied…
    (nice-to-know: Z.B. in Südtirol hat man in den 60er Jahren Wein oft in gemauerten Räumen mit Glasfliesen (hygienisch) vergoren.)

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