Champagner, Prosecco, Sekt, Secco, Asti – Teil I

Guten Abend,

heute beginne ich mit einer kleinen Reihe von Blogbeiträgen, die sich mit dem Thema Sekt und Ähnlichem  befassen. Allerdings ist dieses Themengebiet so umfangreich, dass ich es auf mehrere Beiträge aufteilen werde. Heute will ich versuchen, die wichtigsten Begriffe zu sortieren und so einen ersten Überblick zu verschaffen.

Spätburgunder Sekt
Spätburgunder Sekt

Kennen Sie Aussagen wie „Sekt ist mir zu sauer – ich trinke nur Prosecco!„, „Von Asti bekomme ich immer Kopfweh.“, „Nichts geht über echten Champagner!“ oder „Sekt, Secco, Champagner, Prosecco – das ist doch eh alles das gleiche, nur unterschiedlich teuer.“? Wenn ich (z. B. auf Partys) solche Aussagen höre und sich die Gelegenheit bietet, beginne ich mit den Personen, die solche Sätze fallen lassen, ein Gespräch über Sekt/Champagner/Prosecco. Meist merke ich recht schnell, dass der oder die Betroffene recht wenig Ahnung über das hat, worüber geschimpft wird und sich die Meinungen auf wenige schlechte Erfahrungen zurückführen lassen. Dazu ein Gespräch mit einem jungen Mann, der sagte:

„Ich trinke nur Champagner, da Sekt grundsätzlich nicht gut schmeckt!“

„Wieviel geben Sie denn im Schnitt für eine Flasche Champagner aus?“

„Circa 30 Euro.“

„Und was denken Sie, hat der Sekt, der Ihnen nicht geschmeckt hat, so gekostet?“

„Keine Ahnung. Vielleicht drei Euro.“

„Könnte es nicht sein, dass der Geschmacksunterschied auf den unterschiedlichen Preis zurückzuführen ist?“

„Wie meinen Sie das?“

„Ich will anders fragen: Haben Sie schon einmal einen Sekt für 20 oder 30 Euro getrunken?“

„Nein! Ich zahle doch für einen Sekt keine 20 Euro! Der schmeckt doch eh nicht…“

Kopfschüttelnd drehte er sich um und ließ mich stehen. Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte? Weil dieser Herr offensichtlich keine Ahnung von Sekt und Champagner hatte, nicht sonderlich intelligent war und sich von schönen Etiketten blenden ließ. Von mir werden solche Personen auch gerne ‚Etikettentrinker‘ genannt.

Ihnen dagegen will ich im Folgenden erklären, was die verschiedensten Begriffe, die auf den Etiketten zu finden sind, bedeuten, sodass Sie in Zukunft Qualität erkennen können und sich nicht von schönen Namen blenden lassen müssen. Auch versuche ich zu begründen, warum manche Flaschen teurer und manche billiger sind.

Beginnen wir nun also mit der wichtigsten Frage: Wie kommt der Sprudel in den Wein? Dafür gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  1. Die Kohlensäure kann (mit Druck und Kühlung) zugesetzt werden.
  2. Die Kohlensäure stammt aus der ersten Gärung, also aus der Gärung, in der der Wein zum Wein wird.
  3. Die Kohlensäure stammt aus zweiter Gärung. Es wird dem fertigen Wein Hefe und Zucker begemischt und der Wein gärt ein zweites Mal. Dies wiederum kann in einem Großraumbehälter (Tank), in einer anderen Flasche oder in der Originalflasche geschehen. Bei zuletzt genannter Methode kann man handgerüttelt und maschinengerüttelt unterscheiden.

Nun nochmal der Reihe nach:

  • Bei der ersten Methode wird einem fertigen Stillwein, also einem Wein ohne Sprudel, Kohlensäure mit einem sogenannten Imprägnierverfahren künstlich zugesetzt. Man erhält einen Wein, der blubbert. Das bedeutet aber auch, dass der so aufgesprudelte Wein nach Wein und nicht nach Sekt schmeckt.
  • Bei der zweiten Methode wird vom noch nicht fertig vergorenen Traubenmost/Jungwein die Hefe fast vollständig entfernt und der somit noch süße Wein anschließend gekühlt, wodurch eine weitere Gärung vorerst unterdrückt wird. Nun wird der Wein in einem Tank oder in einer Flasche neu vergoren, so dass viel Kohlensäure entsteht. Die neue Hefe wird danach wieder entfernt. Diese Methode nennt man Méthode rurale oder auch Asti-Methode.
  • Bei Methode Nummer drei wird einem fertigen Stillwein eine Mischung aus Zucker und neuer Hefe zugegeben. Anschließend gärt der Wein/Sekt in einem Druckbehälter (Tank oder Flasche). So hergestellter Schaumwein schmeckt oft nach Hefe. Erfolgt die Gärung im Tank, wird anschließend der Sekt filtriert und in Flaschen gefüllt. Erfolgt die Gärung in der Flasche, kann genauso wie bei der Tankgärung vorgangen werden (Transvasier-Verfahren oder Méthode Charmat) oder der Sekt bleibt in der Flasche und man entfernt nur die Hefe (warm oder kalt). Die zuletzt genannte Methode nennt man Méthode traditionelle oder Méthode champenoise.

 

 

Collalto Verdiso
Verdiso (Stillwein)

Teilweise findet man auch in Stillweinen Sprudel. Berühmt dafür ist zum Beispiel der Lambrusco. Die Kohlensäure stammt dann noch direkt aus der Gärung, die den Wein zum Wein gemacht hat, das heißt, es handelt sich um den gleichen Sprudel wie bei Federweißem. Sprudelnde Weine fallen trotzdem unter den Begriff des Stillweines, da ihr Druck zu niedrig ist (kleiner 1 bar).

 

 

Soviel für heute. Weiter geht’s in Teil II mit ein paar wichtigen Begriffen zu den Themen Sekt, Schaumwein, Perlwein, Secco,…

Beste Grüße

Michael

 

9 Gedanken zu “Champagner, Prosecco, Sekt, Secco, Asti – Teil I

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