Weinpunkte – Weinnoten – Qualitätsbezeichnungen

Grüß Gott,

heute stelle ich Ihnen keinen Wein vor, sondern erzähle Ihnen etwas über meine persönliche Meinung zu Weinbewertungen und -punkten. Auch werde ich ein kleines Wort zu den üblichen Qualitätsbezeichnungen verlieren.

Bacchus aus Franken
Landwein Main

Oft sieht oder liest man Weinbewertungen, bei denen die verkosteten Weine dann 4,5 von 5 Sternchen oder 78/100 Punkte haben. Auch gibt es so einige Bücher, Websites etc., die Weingüter, Marken und Weine auflisten, die nach Meinung der jeweiligen Autoren empfehlenswert sind.

Ich lehne solche Bewertungen aus mehreren Gründen ab:

  1. Was sagen 78/100 Punkte? Meistens handelt es sich bei solchen Punkten um Indizes, das heißt, es gibt ein bestimmtes Bewertungsschema, in dem dann, je nach Kategorie, soundsoviele Punkte vergeben werden können. Zum Beispiel steht da: „Farbe: dumpf – kräftig (0-2 Punkte)“, „Farbe: monoton-nuanciert (0-3 Punkte)“, …
    Und so kommen dann z. B. 15 Punkte für die Farbe zustande. Ähnlich geht es mit Geruch, Geschmack, … weiter und am Schluss werden diese Punkte einfach zusammengezählt. Aber was bringt das einem? Können 3 Punkte im Geschmack mehr durch 3 Punkte im Aussehen weniger ausgeglichen werden?
    Es ist, wie wenn man beim Autokauf 0,5 l/100km mehr Verbrauch mit einem elekrischen Schiebedach und Xenonlicht ausgleichen würde.
  2. Oder solche Bewertungen sind die rein subjektive Meinung eines „Experten“. Ich weiß aber nicht, warum mir ein Wein besser schmecken soll als ein anderer, nur weil er jemandem, der sich wahrscheinlich mehr und/oder teurere Weine leisten kann als ich, besser schmeckt.
  3. Selten geht aus einer Bewertung die Handwerkskunst, die Tradition und die Kultur hervor. Ich mag einen Wein lieber, wenn ich weiß, dass er auf einem uralten Steilhang wie vor 1000 Jahren von Hand geerntet und mit den Füßen eingemaischt wird, als wenn er auf einer neuen Großlage vollmaschinell verarbeitet wird. Auch wenn rein chemisch vielleicht sogar genau das gleiche herauskommt.
  4. Bei Qualitätsbezeichungen (Landwein, Prädikatswein) ist positiv zu vermerken, dass eine hohe Bezeichung (meist) für gute Qualität steht. Eine niedrige jedoch muss nicht automatisch für schlechte stehen.
    So sind manche Weine niedrig klassifiziert, da die entsprechenden Rebsorten in diesem Gebiet nicht zugelassen sind. Auch stellt es für kleine Winzer oft einen relativ großen Aufwand dar, ihre Weine klassifizieren zu lassen, und so verkaufen sie sie zum Beispiel als Landwein, obwohl sie eigentlich Qualitätsweine wären.
  5. Was ist mit dem Potential eines Weines? Ein dunkler Rotwein, der lange im Eichenfass war und dann frisch in der Flasche ist, ist wahrscheinlich nicht trinkbar, so viele Tannine wie er hat. Nichts desto trotz hat er vielleicht ein Riesenpotential. Also viele oder wenige Punkte. Dem gleichen Wein 20 Jahre später könnte man viele Punkte geben, da er gegebenenfalls ausgereift, harmonisch, super ist. Allerdings ist die Lagerfähigkeit jetzt vielleicht bei nur noch 2, 3 Jahren… Sie sehen das Problem, denke ich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass solche Bewertungen oft zu zwei extremen Entwicklungen führen:

  • Menschen, die Qualität kaufen wollen und sich selbst nicht zutrauen, diese zu erkennen, kaufen rein nach Bewertung und/oder Etikett (= seit langem gut bewertetes Weingut/Anbaugebiet).
    Sie kaufen dann nur Weine von diesem oder jenem Château oder Schaumwein nur, wenn er aus der Champagne kommt. OK; die Käufer bekommen (meist) eine hohe Qualität. Da aber die Nachfrage nach diesen Weinen sehr hoch ist, die Leistung mit der Bewertung oder dem Image jedoch nicht steigt, ist es nur natürlich, dass der Preis steigt und somit das Preis-Leistungs-Verhältnis sinkt.
    Zu diesen „Etikettenkäufern“ sei gesagt: Ein Wein ist nicht gut, weil er einen guten Namen hat, er ist gut, weil er gut ist.
  • Da es leider aber auch viele Leute gibt, die einfach nur einen Wein kaufen wollen, der gut (was auch immer das heißt) schmeckt und zum Beispiel nicht mehr als 5 € kostet, klebt inzwischen auf so vielen Flaschen irgendeine „Trophy“, dass sich mir große Zweifel an deren Aussagekraft auftun.
    Dieser Zielgruppe der „Preis-Käufer“ sei gesagt: „Trinken Sie doch Ihren Wein bitte nicht wie Limo. Wein ist Kultur, Freude, Leben!“

Ich belasse es beim Alten und schreibe nur, was ich sehe, rieche, schmecke und überlasse die Bewertung dessen der verehrten Leserschaft. 🙂

Michael

4 Gedanken zu “Weinpunkte – Weinnoten – Qualitätsbezeichnungen

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