Fledermauswein – Guano – spontan vergoren – umgeschwefelt – unfiltriert – Weingut und Weinkellerei Bernhard Völker

Grüß Gott,

heute will ich mit Ihnen einen ganz außergewöhnlichen Frankenwein besprechen. Wobei sowohl die Arbeit im Weinberg, die Arbeit im Keller, als auch das Ergebnis in der Flasche alles andere als üblich sind.

Der „Fledermauswein“ heißt so, weil die Reben mit Federmausexkrementen (Guano) gedüngt werden – von regionalen Fledermauskolonien. Außerdem wohnen im Weinberg, in einer Hütte, Fledermäuse. Und ein Teil des Kaufpreises geht an den LBV, der sich nicht nur um Vögel, sondern auch um Fledermäuse kümmert.

Fledermaus 2015 im Glas
Fledermaus 2015

Vom Winzer (Völker Wein) wurde der Fledermauswein (Verschnitt, also Cuvée, aus Müller-Thurgau und Silvaner) dann spontan vergoren, das heißt, es wurde keine Hefe zugesetzt und die Gärung somit dem Zufall überlassen, und ungeschwefelt sowie unfiltriert abgefüllt. Außerdem durfte der Wein auf der Gärhefe liegen bleiben, ähnlich wie man es von der Loire kennt. Dort heißen solche Weine sur lie.

FLEDERMAUS 2015

spontan vergoren und unfiltriert & ungeschwefelt
Der Weinberg für diesen Wein wird mit dem Guano regionaler Fledermauskolonien gedüngt. Fledermauskästen bieten den nächtlichen Insektenjägern Unterschlupf. Ein Teil des Erlöses unterstützt das Artenschutzprojekt „Graues Langohr“ des LBV.

Enthält Sulfite – Deutscher Landwein Main – Abfüller: Bernhard Völker OHG – D-97318 Kitzingen

2 Naturkinder Wine Making Project – 0,75L – 11,5% VOL – http://www.2naturkinder.de – LBV

Kommen wir nun zum Ergebnis dieser besonderen Herstellung, das ebenso ist:

Ich drehe den Schraubverschluss von der weißen 0,75-Liter-Schlegelflasche und rieche Federweißen, was mich schon einmal überrascht. Dieser Geruch verfliegt jedoch recht schnell und ich sehe beim Einschenken einen trüben Wein. Bei den meisten Weinen ist das ein Zeichen, dass er schlecht, also verkommen, ist – hier ist es jedoch Absicht. Ich sehe eine kurze, geringe und große Perlage, die einen Perlenkranz bildet. Im Wein finden sich wenige Schwebeteilchen und beim Schwenken einige große, langsame Schlieren.

Fledermaus 2015
Fledermauswein

Über dem weißen Blatt erkenne ich das sehr helle Farbspiel – wenn auch getrübt^^ – von gelb-beige (oder vielleicht ganz leicht grünlich) ins Durchsichtige gehend.

Ich rieche! Im Glas riecht es nicht so, wie Wein meiner Erfahrung nach riecht. Nein, es riecht eher nach Most, ja, nach Apfel- und Birnensaft, nach überreifen Birnen, nach Hefe und Heu. Vielleicht auch nach grünem Pfeffer, Ananas, Zitrone und überreifer Zwetschge.

Über dem Glas riecht der Wein nicht mehr so stark nach Most, aber immer noch nicht wirklich nach Wein. Eher nach Obstler: Süß, Apfel, Birne, Williams-Christ-Birnen-Schnaps (Willi). Mit der Zeit mischt sich Mürbeteig, Apfelplunder und Apfelmus mit Zimt dazu.

Im Mund schmeckt der – und das ist jetzt nicht schlimm! – dünne, herbe, säuerliche Wein nach Apfel, weißer Johannisbeere, Kumquat und Wiesenkräutern. Er ist (lustigerweiße) prickelnd und gleichzeitig samtig weich.

Der mittlere Abgang schmeckt nach Apfel, weißer Johannisbeere, Grapefruit. Ja, eher herb. Das Sprudeln im und Riechen durch den Mund offenbart noch mehr Birne und Hefe.

Das ist mein Wein für einen Abend, an dem ich keine Lust auf Wein habe! Außergewöhnlich! Schade, dass sich nicht mehr Winzer trauen, so etwas zu verkaufen. Und etwas Gutes für die Natur macht man mit diesem Weingenuss ja auch^^

Ach ja: Auf dem Etikett ist ein voll putziges Bild einer Fledermaus 🙂

Beste Grüße

Michael

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