„Ebenso nahm er nach dem Mahl diesen erhabenen Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände“ – Wein im Christentum

Grüß Gott,

heute gibt es wieder einen Beitrag in der Reihe „Wein und Religion“. Wobei ich gleich einschränken muss, dass ich mich hier auf die Katholische Kirche fokussiere, da ich dazu am meisten sagen kann. Wir werden sehen, wie wichtig Wein für das Christentum ist, aber auch, wie wichtig das Christentum für unsere Weinkultur ist.

Regent Weinbau Weingärtner-Pfister

Nun werde ich Ihnen im Folgenden die Berührungspunkte von Christentum und Wein(-bau) erläutern:

  • Wir beginnen natürlich mit der Bibel, der Grundlage des Christentums. Dort wird Wein über 200 mal erwähnt und der Weinstock über 100 mal. Siehe dazu die Beiträge über Wein im Alten Testament und Wein im Neuen Testament.
  • Wie Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat, wird in jeder Eucharistiefeier, das heißt in jeder heiligen Messe, Brot zum Leib des Herrn und Wein zu seinem Blut gewandelt. So heißt es im Hochgebet I in den Einsetzungsworten:
    „P: Am Abend vor seinem Leiden nahm er das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob die Augen zum Himmel, zu dir, seinem Vater, dem allmächtigen Gott, sagte dir Lob und Dank, brach das Brot, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. 
    Ebenso nahm er nach dem Mahl diesen erhabenen Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, sagte dir Lob und Dank, reichte den Kelch seinen Jüngern und sprach: Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle*) vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
    Tut dies zu meinem Gedächtnis.“
    [*) In der lateinischen Editio typica: „pro multis“ – „für Viele“]
  • Für die Wandlung wird nicht irgendein Wein verwendet, sondern ein Messwein (Altarwein). Dieser muss bestimmten Anforderungen genügen. So heißt es in der Grundordnung des Römischen Messbuchs 2007:
    „Der Wein für die Eucharistiefeier muss vom Gewächs des Weinstocks (vgl. Lk 22, 18) stammen und naturrein und unvermischt sein, das heißt ohne Beimischung von Fremdstoffen. Mit besonderer Sorgfalt achte man darauf, dass das Brot und der Wein, die für die Eucharistiefeier bestimmt sind, in einwandfreiem Zustand aufbewahrt werden. Das heißt, es ist dafür zu sorgen, dass der Wein nicht zu Essig wird […].“
    Messwein wird nach bestimmten, kirchlichen Vorschriften hergestellt. Diese betreffen die natürliche Reinheit und Unverfälschtheit des Weines. Die gesetzlichen Auflagen für Prädikatswein sollten diese erfüllen.
  • In manchen Regionen verschenken die Erstkommunionkinder Brot und Wein and Verwandte, Nachbarn, Bekannte. (Bei uns in Franken, genauer, im Bamberger Land, nicht, da verschenken die Kommunionkinder Hutkrapfen und geschnittene Hasen.)
  • Viele Klöster produzierten und viele produzieren auch immer noch Wein. Dies hatte und hat zwei Gründe: Zum einen stellt der Weinbau oft die wirtschaftliche Grundlage für die Klöster dar, zum anderen produzieren die Klöster (zumindest teilweise) Messwein, wie er für die Eucharistie benötigt wird. Die Klöster waren im Mittelalter Orte, wo gute, das heißt saubere, Weine hergestellt wurden. Somit waren auch die Klöster maßgeblich an der Entwicklung des Weinbaus beteiligt und haben dazu beigetragen, dass wir heute eben das Verständnis von Qualitäts- und Prädikatswein haben, das wir haben.
  • Und zum Abschluss möchte ich noch einmal auf den Heiligen Benedikt zu sprechen kommen, der in seiner Benediktsregel sehr schön erklärt, wieviel ein Mönch an Wein trinken soll oder darf^^
    Kapitel 40: Das Maß des Getränks
    1. Jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. (1 Kor 7,7)
    2. Deshalb bestimmen wir nur mit einigen Bedenken das Maß der Nahrung für andere.
    3. Doch mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schwachen meinen wir, dass für jeden täglich eine Hemina Wein genügt.
    4. „Wem aber Gott die Kraft zur Enthaltsamkeit gibt, der wisse, dass er einen besonderen Lohn empfangen wird.“
    5. Ob ungünstige Ortsverhältnisse, Arbeit oder Sommerhitze mehr erfordern, steht im Ermessen des Oberen. Doch achte er darauf, dass sich nicht Übersättigung oder Trunkenheit einschleichen.
    6. Zwar lesen wir, Wein passe überhaupt nicht für Mönche. Weil aber die Mönche heutzutage sich davon nicht überzeugen lassen, sollten wir uns wenigstens darauf einigen, nicht bis zum Übermaß zu trinken sondern weniger.
    7. Denn der Wein bringt sogar die Weisen zu Fall. (Sir 19,2)
    8. Wo aber ungünstige Ortsverhältnisse es mit sich bringen, da nicht einmal das oben angegebene Maß, sondern viel weniger oder überhaupt nichts zu bekommen ist, sollen die Brüder, die dort wohnen, Gott preisen und nicht murren.
    9. Dazu mahnen wir vor allem: Man unterlasse das Murren.
Weingarten am Michelsberg in Bamberg
Weingarten am Michelsberg in Bamberg

Lassen Sie mich resümieren: Ohne Wein gäbe es keine Eucharistiefeier, das heißt, Wein ist essenziell für den christlichen Ritus. Aber auch andersherum: Die Regeln für Messwein haben schon lange vor irgendwelchen Weingesetzen bestimmt, was guter Wein ist. Und Klöster waren (und sind) für unsere Weinkultur unverzichtbar – vor allem dadurch, dass im Mittelalter nur dort guter Wein zu bekommen war.

Beste Grüße und Adela

Michael

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