Eine Rarität: Weißer Heunisch

Grüß Gott,

im Mittelalter wurden die Weinreben in zwei Hauptfamilien eingeteilt, die Fränkischen (besser, kleinbeerig, mutmaßlich im Rheingau heimisch) und die Hunnischen. Fränkische Reben waren solche, die nahe an den europäischen Wildreben waren, zum Beispiel Traminer, Grauburgunder, Riesling. Die Heilige und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen schrieb in ihrer Physica, dass der fränkische, starke Wein das Blut aufwallen liese und man ihn deshalb mit Wasser mischen müsse, während dies beim hunnischen, von Natur aus wässrigen Wein nicht notwendig sei.

Heutzutage kennen wir fast nur noch „Fränkische“, vielleicht aus oben beschriebenen Gründen. Heute wollen wir aber mal bewusst einen Hunnischen – einen weißen Heunisch – trinken.

Wirklich viel angebaut wird dieser nicht mehr (leider). Aber mit einiger Arbeit konnte ich einen auftreiben und zwar beim Herrenbergerhof.

Herrenbergerhof
2013
Birkweiler Kastanienbusch

Weißer Heunisch

Kerth-Hüther
Pfalz
Deutscher Qualitätswein
Wein aus Versuchsanbau

11,5%vol Enthält Sulfite Erzeugerabfüllung 0,75l
D-76831 Birkweiler/Südl. Weinstraße
www.herrenbergerhof.de

Der klare Wein hat viel feine Perlage und ein bisschen Weinstein. Er zieht viele dicke, langsame Schlieren und ist ganz, ganz hell zitronengelb. Im Glas rieche ich Stachelbeere, Limette, etwas leicht beißendes, das mich entfernt an Klebstoff erinnert, Ton(-erde), süßes Kinderlakritz, grünen Apfel, saure, unreife Ananas, Blumen und Vanilleschote. Über dem Glas finde ich alte, gelagerte Äpfel, Ananas, Mandarine, Orange, süßes Holz, Kaubonbon, kandierte Früchte. Im Mund ist der Wein sauer, leicht bitterlich, prickelnd, weich, tief und schmeckt nach Limette, Mandarine, unreifer Orange, Ananas. Beim Sprudeln entdecke ich Mirabelle und Orangenschale, beim Schlucken ist der Wein bitterlich und leicht scharf: Orangenschale, Orange, Ananas, Gewürznelken, Zimt. Er hat ein wenig einen Nachgeschmack wie scharfes Essen. Der mittlere Abgang erinnert an Orange.

Weißer Heunisch
Weißer Heunisch

Obwohl in dem Wein so viele Aromen wie Orangenschale, Gewürznelken etc. vorhanden sind schmeckt er nicht „weihnachtlich“, sondern fruchtig, frisch, leicht.

Zusammenfassend würde ich den Wein als kantig, säuerlich, frisch, dünn aber auch würzig/erdig bezeichnen.

Beste Grüße

Michael

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