Wein verkosten – Teil II – Sehen

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zu Teil 2 der Serie „Wein verkosten“. Wie in der Einführung beschrieben, teilt sich das Verkosten, hat man mal einen Wein im Glas, in drei mal drei Punkte auf. Einer dieser Hauptpunkte ist das Sehen, um welches wir uns heute kümmern wollen!

Gleich vorneweg: Es soll hier nicht darum gehen, Wein anhand des Aussehens zu bewerten, sondern darum, ihn zu verkosten, das heißt, zu beschreiben. Das gleiche gilt dann entsprechend für Riechen und Schmecken.

  1. Das erste, was man sieht, ist die Farbe des Weines. Natürlich hat Rotwein eine andere Farbe als Weißwein – meistens jedenfalls. Es soll hier aber darum gehen, den genauen Farbton zu beschreiben.
    Oberschwappacher Weinfest - Silvaner und Schwarzriesling
    Oberschwappacher Weinfest – Silvaner und Schwarzriesling

    Dazu lässt man am besten das Glas nicht normal stehen – so schaut jeder Rotwein rot und jeder Weißwein weiß aus und man kann nur hell oder dunkel unterscheiden – sondern nimmt das nicht zu voll geschenkte Glas am Stiel und hält es schräg über ein weißes Blatt Papier (das wirklich weiß und nicht leicht gräulich oder gar gelblich sein soll).

    Rosé des Riceys
    Rosé des Riceys

    So kann man in der Mitte des Glases die Farbe – bei gutem, weißem Licht – schön sehen. Weißweine können zum Beispiel fast farblos, grünlich, hellgelb, kräftig strohgelb bis hin zu orange oder beige oder braun sein.


    Bei Rotweinen kann man zum einen beschreiben, wie kräftig bzw. dunkel das Rot, zum anderen, ob es eher ein Lila oder ein Orange/Backstein ist.
    Die Farbe wird dabei von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst: Rebsorte, Lagerung, Alter, Ausbau, Kellertechnik. Als Daumenregel für Rotweine gilt – bei Weinen gleicher Rebsorte – dass oranger heißt, dass der Wein traditioneller, und violetter, dass der Wein moderner ausgebaut wurde. Bräunliche Weißweine wurden mutmaßlich in Holzfässern gelagert.

    Tawny Porto
    Tawny Porto

    Interessant ist, ob der Wein überall die gleiche Farbe hat oder einen (ausgeprägten) Farbverlauf vom Rand hin zur Mitte zeigt und ob sich (z. B. grünliche oder pinkfarbene) Reflexe zeigen.

    Kleine Wanderlust
    Kleine Wanderlust

    Bei dunklen Rotweinen darf man das Glas nur ganz leicht füllen, bei hellen Weißweinen muss man schon einen Schluck mehr ins Glas geben. Auch kann man schauen, ob die Farbe matt (nicht zu verwechseln mit trüb!) oder strahlend (nicht zu verwechseln mit klar!) ist.

  2. Der zweite Punkt, den man sich anschauen kann, ist die Klarheit des Weines. Hier muss man grundsätzlich zwischen Stillweinen und Perl- und Schaumweinen unterscheiden. Die meisten Stillweine (also normale Weine) sollen klar sein.
    Grüner Veltliner
    Grüner Veltliner

    Wenn ein solcher Wein nicht klar wäre, so wäre das ein Weinfehler … Allerdings gibt es (gerade in letzter Zeit) auch viele Weine, die gar nicht klar sein sollen – dann ist das natürlich auch kein Fehler.

    Bei Weinen mit Sprudel kann man dagegen schön beschreiben, wie grob oder fein die Bläschen sind, wie lange es sprudelt, ob sich oben (am Rand) ein Perlenkranz oder gar (in der Mitte) eine Mousse bildet. Wie viele Bläschen und wie schöne Ketten …


    Erwähnenswert ist, dass natürlich auch Stillweine sprudeln können. Bitte Gläser für Wein – und ganz, ganz wichtig insbesondere für sprudeligen Wein – nur von Hand mit reinem Wasser spülen. Auch wenn man zehnmal mit Wasser nachspült, bleiben doch sonst immer ganz leichte Spüli-Reste am Glas zurück und der Sprudel verschwindet aus dem Wein, sobald man ihn einschenkt 😦

    In dieses Gebiet Klarheit des Weins fallen auch Beschreibungen von Ablagerungen in der Flasche oder Weinstein.

  3. Zu guter Letzt bleibt es noch, die Schlieren, die sich beim Schwenken des Weines am Glas bilden, zu beschreiben. Hier kann man auf Anzahl, Schnelligkeit und Stärke der Schlieren eingehen. Wobei ich gleich erwähnen will, dass es oft am Glas (oder am Spüli) liegt und nicht am Wein, wenn man keine Schlieren sieht. Je mehr, dickere, langsamere Schlieren man sieht, desto extraktreicher ist der Wein, das heißt z. B. mehr Alkohol, mehr Zucker, mehr Schwebestoffe, mehr Geschmacksstoffe, mehr …

Soviel zum Sehen, nächstes Mal wird gerochen 😉

Michael

2 Gedanken zu “Wein verkosten – Teil II – Sehen

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