Wein verkosten – Teil V – Glaswahl etc.

Halli hallo,

nachdem wir uns nun überlegt haben, welchen Wein wir verkosten wollen und wie wir richtig sehen, riechen und schmecken, wenden wir uns heute dem Außenherum zu. Dabei ist meist die erste Frage: „Welche Gläser?“ Natürlich wollen wir auch auf diese Frage eingehen, wenngleich sie eigentlich – hat man ein, zwei, drei richtige(s) Glas/Gläser im Schrank – gar nicht so wichtig ist.

Südtiroler Rosenmuskateller
Südtiroler Rosenmuskateller

Im Folgenden will ich zu einigen Fragen und Begriffen kurz Stellung beziehen. Wenn Sie weitere Fragen haben, scheuen Sie nicht, diese als Kommentar zu schreiben!

  • Welches Glas?
    Schaut man in die deutschen Weinglasschränke oder in die Glasabteilungen der Kaufhäuser, findet man zigtausend verschiedene Gläser. In allen Formen, Farben, Stärken, Mustern. Dazu grundsätzlich: Ein Glas zum Verkosten sollte ohne Muster, ohne Farbe, klar, weiß (also transparent), dünn, vor allem mit dünnem Rand, ohne Nähte oder sonstwas sein, damit die Farbe weder verfälschen noch vom Wein ablenken kann. Sucht man nach solchen „Profigläsern“, findet man wiederum eine schier unüberschaubare Anzahl an Weingläsern. Teilweise spezielle Gläser für spezielle Anbauregionen oder Rebsorten. Ich persönlich finde das leicht übertrieben. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man sich lieber ein gutes Glas, als acht verschiedene, unschöne kaufen sollte. Es gibt sogenannte Tastinggläser, die universal für alle Weine geeignet sind. Diese sind vollkommen in Ordnung. Auch ich benutze meistens solche. Dann gibt es Rot- und Weißweingläser. Diese Bezeichnungen sind leicht irreführend, denn eigentlich sollte man nicht nach Farbe, sondern nach Säuregehalt differenzieren (oft ist aber Weißwein säuerlicher als roter …). Je saurer der Wein, desto schmaler und höher sollte das Glas sein. Je weniger sauer, desto bauchiger und niedriger. Bei einem säuerlichen Wein in einem niedrigen Glas würde man nur noch Säure riechen. Bei Schaum- und Perlweinen bieten sich aus ähnlichen Gründen auch schmalere Gläser an, da man sonst nur das CO2 in der Nase hätte. Für Süßweine gibt es spezielle Gläser, die kleiner sind und am Rand so gebogen, dass beim Trinken nicht der (süße) Wein auf die Zungenspitze – wo man die Süße wahrnimmt – trifft, sodass man nicht nur süß schmeckt. Alle anderen Aufteilungen (Burgunderglas vs. Bordeauxglas usw.) brauche ich jedenfalls nicht …
  • Welche Temperatur?
    Ganz einfach: Je mehr Säure, desto kühler, je mehr Sprudel, desto kühler. Meine Vorgehensweise: Lieber den Wein etwas zu kühl öffnen und dann im Glas wärmer werden lassen.
  • Wie viele Weine?
    Ich hatte schon Weinproben mit 27 Weinen – das ist zu viel … Bei einer Weinprobe sind vier bis acht angemessen. Zum Verkosten nehme ich aber normalerweise ganz klassisch einen Wein her.
  • Was dazu trinken/essen?
    Nichts zu scharfes, zu öliges, zu starkes. Sonst ist das recht egal, finde ich. Wenn Sie verschiedene Weine nacheinander probieren, sollten Sie dazwischen z. B. leicht salzige Kekse zum Neutralisieren essen. Wichtig: Immer stilles Wasser dabei haben!
  • Blindverkosten?
    Blindverkosten kann zwei verschiedene Sachen meinen: Einen Wein beim Verkosten nicht zu kennen – um sich nicht vom Etikett blenden zu lassen bzw. dem Discounterwein die Chance, die er verdient hat, zu geben. Es kann aber auch heißen, aus einem schwarzen Glas zu trinken und den Wein erraten zu wollen/müssen. Beides spannend. Beides mache ich viel zu selten.

    Blindverkostung
    Blindverkostung
  • Wo (Ort, Ambiente)?
    Es sollte nur nicht stark und ungewohnt riechen und man sollte sich konzentrieren können. Den Raucher stört dabei sein eigener Zigarettengeruch normalerweise gar nicht. Den Nichtraucher, der bei einer Verkostung neben einem Raucher sitzt, schon!
  • Weinfehler erkennen?
    Das ist ein ziemlich schwieriges Thema. OK, es gibt manche Weinfehler, die man ziemlich leicht erkennt, z. B. den Böckser oder die Lichtstichigkeit (Weine, insb. Schaumweine, die nach Käse/Parmesan riechen, wenn sie zu lange in (künstlichem/Neon-)Licht standen). Aber andere Fehler, wie Trübungen, sind nicht so einfach zu beurteilen: Wenn ein Wein absichtlich unfiltriert abgefüllt wurde, ist’s halt doch kein Fehler – oder wenn sich ganz viele Ablagerungen in der Flasche angesammelt haben … Zum Thema Weinfehler muss ich, glaub ich, (irgendwann) auch nochmal eine eigene Serie machen.
  • Weinqualität (in Punkten) beurteilen?
    Von Punkten halte ich nicht so viel.
  • Dekantieren?
    Bei manchen Weinen entwickelt sich durch den Kontakt mit der Luft ein anderes (gewünscht besseres) Bukett. Damit das aber funktioniert, muss man den Wein relativ lange dekantieren und nicht erst eine halbe Stunde vor dem Trinken. Wenn man seinen Wein aber über einen ganzen Abend hinweg trinkt und somit auch lange in seinem Glas stehen lässt, macht man quasi auch so etwas wie mini-dekantieren …

So, das war jetzt aber ziemlich viel. Ich überlege gerade, was ich jetzt noch sagen soll. Eigentlich fällt mir nur eines ein: Ran an die Flaschen! Aber nicht zu viel trinken.

Beste Grüße

Michael

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