Die Lindenwirtin – Keinen Tropfen im Becher mehr #Studentenlied #Fakultätsstrophe

Grüß Gott,

heute gibt es nach längerer Pause mal wieder einen Beitrag aus der Kategorie Wein- und Volkslieder. Und zwar stelle ich Ihnen heute „Die Lindenwirtin“ vor, ein Lied, das eigentlich „Keinen Tropfen im Becher mehr“ heißt und in Studentenkneipen überaus gerne (mit vielen neu dazu gedichteten Strophen) gesungen wird.

1. Keinen Tropfen im Becher mehr
und der Beutel schlaff und leer,
lechzend Herz und Zunge,
angetan hat’s mir dein Wein,
deiner Äuglein heller Schein
| :  Lindenwirtin, du junge!  : |

2. „Angekreidet wird hier nicht,
weil’s an Kreide uns gebricht“,
lacht die Wirtin heiter.
„Hast du keinen Heller mehr,
gib zum Pfand dein Ränzel her,
| :  aber trinke weiter !“  : |

3. Tauscht der Bursch sein Ränzel ein
gegen einen Krug voll Wein,
tat zum Gehen sich wenden.
Spricht die Wirtin: „Junges Blut,
hast ja Mantel, Stab und Hut;
| :  trink und laß dich pfänden!“  : |

4. Da vertrank der Wanderknab
Mantel, Hut und Wanderstab,
sprach betrübt: „Ich scheide.
Fahre wohl, du kühler Trank,
Lindenwirtin jung und schlank,
| :  liebliche Augenweide!“  : |

5. Spricht zu ihm das schöne Weib:
„Hast ja noch ein Herz im Leib;
laß mir’s, trauter Wandrer!“
Was geschah? — Ich tu’s euch kund:
auf der Wirtin rotem Mund
| :  brannte heiß ein andrer.  : |

6. Der dies neue Lied erdacht,
sang’s in einer Sommernacht
lustig in die Winde.
Vor ihm stund ein volles Glas,
neben ihm Frau Wirtin saß
| :  unter der blühenden Linde.  : |

7. Wißt ihr, wer die Wirtin war,
schwarz das Auge, schwarz das Haar?
Ännchen war’s, die Feine.
Wißt ihr, wo die Linde stand
jedem Burschen wohlbekannt?
| :  Zu Godesberg am Rheine.  : |

Worte: 1.-6. Rudolf Baumbach, 1877 (1840—1905), 7. ?
Weise: Franz Abt, 1878 (1819—1885)

Um die Wirtin namens Anna und ihre Beliebtheit ranken sich viele Geschichten. Ich will hier nicht alle wiedergeben, nur die eine, dass einmal eine Postkarte aus Übersee, die nur an „n“ adressiert war, bei Ännchen ankam: Ein kleines „n“ ist ja quasi ein „n-chen“, also „Ännchen“ 😉 Auf Kneipen wird überlicherweise zwischen der 4. und 5. Strophe von den verschiedenen, anwesenden Studenten – je nach Studienfach – ihre jeweilige Fakultätsstrophe gesungen. Meine wäre also:

Auch ein Mathematicus
gab Frau Wirtin einen Kuss,
unter der blühenden Linde.
Aus dem einen wurden zwei,
aus den Zwei‘ die unendlich Reih‘.
| :  Unter der blühenden Linde!  : |

Sowohl die Geschichten über das Ännchen und die Wirtschaft in (Bad) Godesberg als auch viele, viele (manche gute, manche nicht so gute) Fakultätsstrophen findet man leicht im Internet.

Beste Grüße

Michael

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