Weingut Wengerter Spätburgunder Blanc de Noir – Weißer Wein aus blauen Trauben

Guten Tag,

es stellt sich ja für viele Menschen immer wieder die Frage, welchen Wein man zu welchen Speisen servieren oder trinken soll. Manche Regeln sind wohlbekannt und einfach zu handhaben, wie etwa

  • dunkles Fleisch und kräftiger Käse mit dunklem Rotwein,
  • heller Fisch mit säurebetontem Weißwein,
  • Süßspeisen mit edelsüßen Tropfen,
  • sehr würziger Käse (wie Blauschimmel) mit trockenem, aufgespritetem Südwein und
  • helles Fleisch (wie Hähnchen) mit hellem Rotwein oder rundem Weißwein.

Diese Liste ließe sich noch um einiges fortsetzen. Dennoch gibt es manchmal Fragen, die nicht so leicht zu beantworten sind. Welchen Wein trinkt man z. B. zu einem sehr milden Käse? Oder was macht man, wenn man nur einen Wein für mehrere Gänge servieren will, die obigen Regeln bezüglich der verschiedenen Gänge aber gänzlich verschiedene Weine vorschlagen? Im letzten Fall kann man natürlich versuchen einen sehr, sehr hellen Roten oder einen sehr, sehr dunklen Weißen zu finden – quasi als Allrounder. Oder man serviert einen Rosé oder Rotling. Für den sehr milden Käse würde der sehr helle Rote wahrscheinlich auch passen.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, die leider (noch!) nicht so bekannt ist, aber, wie ich finde, dafür sehr elegant die Vorzüge von Rot- und Weißwein zu vereinen weiß: der Blanc de Noir. Blanc de Noir (frz.: Schwarz aus Weiß)-Weine werden aus Rotweintrauben (also aus blauen Trauben) gekeltert – jedoch wie Weißweine. Das heißt, der Winzer lässt den Most nicht auf der Schale liegen, sodass keine Farbpigmente in den Wein gelangen.

Blanc de Noir-Weine verschmelzen förmlich die sanfte Stärke von Rot- mit der luftigen Leichtigkeit der Weißweine. Einen Wein, der genau diese Symbiose zweier Welten schafft, stelle ich Ihnen heute vor. Zuvor bedanke ich mich jedoch herzlich bei Frau Beate Kettner vom Weingut Wengerter, die mir freundlicherweise den heutigen Wein kostenlos zur Verkostung zur Verfügung gestellt hat!

Blanc de Noir Weingut Wengerter

Der klare, hell goldgelbe Wein prickelt beim Einschenken und es setzen sich viele, kleine Perlen, am Glas fest. Beim Schwenken, das die Aromen des Weines in der Luft im Glas verteilt, zieht er einige, schnelle Schlieren.

Im Glas rieche ich neben Zitronen und Sternfrüchten vor allem weiße Johannisbeere. Dazu mischen sich viele weitere gelbe und grüne Früchte. Ich denke an Papayas und Äpfel, an Stachelbeeren und Rhabarberkompott und an frische Aprikosen. Auch entdecke ich eine schöne mineralische Note. Über dem Glas bleibt es fruchtig, jedoch kommen mehr warme, weiche Aromen dazu. Ich stelle mir eine grüne Grütze aus Stachelbeeren und Rhabarber, die mit Cognac und Stärke abgebunden ist, vor. Äpfel und Stachelbeeren fehlen im Aromenstrauß über dem Glas ebenso wenig wie frischer Hefeteig.

In meinem Mund ist der Blanc de Noir frisch, prickelnd, voll. Zu der schönen und ausgeprägten mineralischen Note kommen Zitrone, Limette, Ringlo und Kiwi. Der Abgang ist ziemlich lang und sehr mineralisch. Ich denke, die Beschreibung „grün“ trifft es ganz gut, so wie feste Kiwi. Das Sprudeln – also das Luft durch den Mund und den im Mund befindlichen Wein einatmen und durch die Nase wieder ausatmen und riechen – überrascht mich. Es ist frisch und ich entdecke so einige neue Aromen: neben kandierten Orangen und Orangenschale auch Blutorangen.

Blanc de Noir Weingut Wengerter

Insgesamt ist der Wein harmonisch und frisch. Aber auf keinen Fall sauer. Er ist mineralisch und prickelnd und lässt mich an viele grün-weiße Aromen denken, nicht (wie es die Rebsorte Spätburgunder vielleicht vermuten lassen würde) an rote. Wie gesagt, verbindet dieser Blanc de Noir die Vorzüge von Weißweinen und von Rotweinen auf wunderbar harmonische Weise.

Wengerter Weingut

FRANKEN
2016er
SPÄTBURGUNDER
BLANC DE NOIR

Erlenbacher Hochberg
Deutscher Qualitätswein
Erzeugerabfüllung Weingut Wengerter, Klingenberger Str. 29, D-63906 Erlenbach
www. weingut-wengerter .de

trocken | 11,5 % vol | Enthält Sulfite | 0,75 l

Tipp: Lassen Sie einmal Ihre Gäste/Freunde einen Blanc de Noir – z. B. diesen hier – in einem normalen Tasting-Glas und gleichzeitig in einem Blind Tasting-Glas verkosten, ohne zu sagen, dass in beiden der gleiche Wein ist. Vielleicht zusammen mit anderen Weinen, damit es nicht ganz so offensichtlich ist. Es wird Sie erstaunen, wie unterschiedlich die Verkostungsnotizen ausfallen werden. Abgesehen davon, dass es bestimmt jemanden geben wird, der den Wein im normalen Glas als Weißwein klassifiziert, den im Blindverkostungsglas jedoch als Roten^^