Ribera del Duero – Weinprobe in der spanischen Botschaft in Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ich damit begonnen habe, michaelmagwein zu führen, war meine Intention weder die, mit dem Blog berühmt zu werden, noch dachte ich, ich müsse einen Weinblog betreiben, der „besser“ oder anders ist als die, die es schon gab. Ich wollte schlicht und ergreifend meine Gedanken zu und mein Wissen über Wein mit der Welt teilen. Dass es mein Blog inzwischen jedoch zu einiger Bekanntheit geschafft hat, freut mich umso mehr. Neulich wurde ich von Frau Saskia Horenburg von censusPR aus Berlin zu einer Weinprobe in die spanische Botschaft in Berlin eingeladen, in der Weinjournalisten und -blogger Weine der Ribera del Duero verkosten durften und über das Ribera Winesounds Fest 2018 informiert wurden. Dafür bedanke ich mich hiermit sehr herzlich. Nun will ich Ihnen jedoch von genau dieser Weinprobe erzählen.

An dem Wochenende um den 1. Juni, als ich in Berlin bei der Weinprobe in der spanischen Botschaft war, war es mindestens so heiß wie im August in Spanien. Das hat mein Gemüt schon einmal auf die spanischen Weine, die in solcher Hitze heranreifen, vorbereitet. In der Botschaft war es dagegen angenehm kühl und wir, also die anderen Journalisten, Weinjournalisten und -blogger und ich, wurden über das Ribera Winesounds Fest 2018 in Berlin in einer Pressekonferenz informiert. Ich finde die Idee schön, den Bewohnern des doch recht nördlich gelegenen Berlins ein bisschen spanische Lebensfreude nahebringen zu wollen; und was wäre da besser geeignet als Musik und Wein?

Nach der Pressekonferenz ging die eigentliche Weinprobe los, die von David Schwarzwälder geleitet wurde. So unterschiedlich die Böden und Höhenlagen der Ribera del Duero sind, so verschieden sind auch die Winzer und deren Traditionen und Zielsetzungen. Da wundert es also nicht, dass, obwohl fast nur Tempranillo angebaut wird, durchaus ganz unterschiedliche Weine herauskommen. In kleinen Maßen werden auch andere rote Rebsorten zum Verschneiden herangezogen, z. B. Merlot oder Cabernet Sauvignon, und sogar weiße Rebsorten werden – obwohl es keinen weißen Ribera del Duero gibt – meist ohne sie zu entrappen zum Aufsäuern der Weine genommen.

Der Morozan hat einen tiefen Geruch von Cassis und Holz. Er erinnert mich an Schlehen und Brombeeren. Der Wein ist gleichzeitig fruchtig weich, aber auch metallisch herb.

Der sehr tanninhaltige Arzuaga hat ein herbes Bukett, das mich an Blutorangen und Orangenschalen denken lässt. Eine frische Säure bindet Gewürze wie Zimt und Früchte wie Heidelbeeren ein.

Der Valdubón besticht mit exotisch-fruchtigen Aromen von Himbeeren, süßen Kirschen, Süßholz und Kokos.

Der Dominio Romano ist sehr tanninhaltig und leicht säuerlich, was zusammen einen etwas metallischen Eindruck hinterlässt. Ich denke an säuerliche Mandarinen und Johannisbeeren sowie Kirschen.

Der Gestación verführt durch sein fruchtig-warmes Brombeer- und Brombeerkuchenbukett. Blumen, (Amarena-)Kirschen und Rinde werden wunderbar vereint. Im Mund ist dieser Wein voll und weich, süß und harmonisch – fast denke ich, und das ist in diesem Falle positiv zu verstehen – an diesen typischen Bubble-Gum-Geschmack. Der Wein wartet mit sehr angenehmen Tanninen auf.

Der Protos lässt mich an Süßholz und Schlehen, Amarenakirschen und Brombeeren, Holz und Walderdbeeren denken. Er ist tanninreich und gleichzeitig süß- wie säuerlich.

Der Kirios de Adrada ist alkoholisch-parfümig und vereint auf elegante Art und Weise Aromen von süßen Zwetschgen bzw. Zwetschgendatschi und Nektarinen mit so unerwarteten Noten von Gemüse oder Salat sowie von Röstzwiebeln zu einem süßlichen und holzigen Geschmackserlebnis.

Der martín berdugo verströmt sowohl warme Düfte von Vanille und Gebäck als auch fruchtige von roten und schwarzen Johannisbeeren sowie Erdbeeren. Er hat viele schöne Tannine und seine durchaus angebrachte bittere Note erinnert mich an das Weiße von Limetten.

Ribera del Duero

Der Tinto Pesquera Millenium ist der einzige backsteinrote (und nicht lilafarbene) Wein in der Probe und stellt zumindest meiner Meinung nach das Highlight dieser Verkostung dar. Fruchtige Aromen von Rhabarber und Walderdbeeren bringen eine leicht säuerliche Note mit. Dunkle Röstaromen bestimmen jedoch das Bukett: Brotrinde und (süßliche) Röstzwiebeln – ja, fast denke ich an gebratenes Rindfleisch. Zwetschgen und Tomaten vereinen sich auf wundersam harmonische Weise mit Karamellbonbons und Kirschwasser. Vielleicht hört sich das gerade nach einer sehr bunten Mischung an. Im Glas ist dieser sehr tanninhaltige Wein mit seinem langen Abgang jedoch wie aus einem Guss. Ein Lob an den Winzer ob solcher Harmonie!

Viele Grüße und auf bald!

Michael

PS: Anscheinend gibt es das Wort „lilane“ gar nicht … ;-)