├ťber das Fasten

Guten Abend,

heute ist, wie Sie wahrscheinlich wissen, Aschermittwoch, der Beginn der 40-t├Ągigen Fastenzeit bis Ostern – die Sonntage darf man nicht mitrechnen. Keine Sorge, heuer faste ich nicht „Wein“, das hei├čt, Sie m├╝ssen nicht auf meine – wie immer spannenden und informativen – Beitr├Ąge verzichten, sondern k├Ânnen sich selbst etwas suchen, auf das Sie bewusst verzichten wollen.

Ich habe vor Kurzem jemanden sagen h├Âren: „Ich bin doch nicht zu dick, also muss ich doch nicht fasten.“ Da hat wohl jemand Fasten mit einer Di├Ąt verwechselt, was mich zu den Fragen bringt, welche Arten von Fasten es gibt und warum Menschen fasten.

Fangen wir mit der zweiten Frage an. Es gibt ja viele Menschen, die sagen, dass sie mit einem „Laster“ aufh├Âren k├Ânnten, wenn sie wollten, aber sie wollen nicht. Woher wollen diese Menschen denn aber wissen, dass sie aufh├Âren k├Ânnten, wenn sie wollten. Das zeitlich begrenzte Fasten ist eine gute Gelegenheit, sich selbst zu beweisen, dass man k├Ânnte, wenn man wollte. Es ist von Di├Ąten ja bekannt, dass, wenn man versucht komplett auf etwas zu verzichten, was man aber gerne mag, das Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist. Wenn man aber zeitlich begrenzt (und mit der Sonntags-Ausnahme) auf etwas verzichtet, h├Ąlt man das viel leichter durch. Und so ist das auch mit dem Fasten. Am Ende wei├č man, dass man es k├Ânnte, und das st├Ąrkt das Selbstwertgef├╝hl – oder gibt Gelegenheit, ganz aufzuh├Âren. Was ist dabei aber eigentlich ein „Laster“? Ein Laster ist etwas, das man macht, von dem man aber wei├č, dass es nicht gut ist, und das einen somit belastet. Das kann Rauchen, Fleisch, Kaffee, L├Ąstern, Alkohol, schnippische Bemerkungen, Arroganz, Schokolade, Zucker, die Verwendung von Plastik, sich Aufregen, (Gl├╝cks-)Spielen oder etwas anderes sein. Die Art dieses Fastens nennt man Bu├čfasten, womit wir schon bei der ersten Frage w├Ąren. Daneben gibt es die Verbindung dieses Bu├čfastens mit einer Di├Ąt, das nennt man dann Heilfasten (das eben deutlich mehr als eine blo├če Di├Ąt ist). Dazu kennt man vielleicht die Anleitungen der Hl. Hildegard von Bingen. Als dritte Fastenart kennt man dann noch das Trauerfasten, bei dem man bewusst auf etwas verzichtet, das einem Spa├č macht, um zu trauern und so – um das wichtigste Beispiel f├╝r das Trauerfasten zu nennen – in der Karwoche mit Jesus am Kreuz mitzuleiden.

Ich w├╝nsche Ihnen eine besinnliche und guttuende Fastenzeit.

Michael