Mein Besuch auf der ProWein 2019 – Tag 2

Guten Samstag,

heute will ich Ihnen vom zweiten Tag auf der ProWein berichten, für die mir das Presseticket zum freien Eintritt kostenlos von der Messe Düsseldorf zum Bloggen zur Verfügung gestellt wurde. Wie auch schon bei meinem Bericht vom ersten Tag kann ich aus Zeit- und Platzgründen nicht von jedem Wein und jedem Stand genau berichten; auch nicht von manchen sehr guten Weinen oder sehr schönen Ständen. Vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit, den ein- oder anderen Wein, den ich hier nicht ausführlich beschreibe, Ihnen doch noch zu genauer vorzustellen. Ich beschränke mich also auch in diesem Artikel wieder auf wenige Weine und Stände, die etwas Außergewöhnliches ausgezeichnet hat. 

Mein zweiter Tag startete quasi im „Affental“, genau genommen war ich am Stand der Affentaler Winzer, der mir durch die markante Affenflasche (über die ich schon einmal etwas im Fernsehen gesehen hatte) aufgefallen ist. Dort erfuhr ich, dass die Affenflasche eine lustige Idee aus der Nachkriegszeit war und dass der darin abgefüllte Wein dem Stil eben jener Jahre entspricht – so ist zum Beispiel der Rotwein nicht trocken ausgebaut. Während der letzten Jahrzehnte schlummerte der Affenflaschen-Wein so vor sich hin, wurde aber dennoch von einer treuen Kundschaft weiterhin gekauft, bis schließlich in den letzten paar Jahren das Interesse an diesen Weinen wieder stark zugenommen hat. Quasi als Gegenstück zu diesem sehr traditionsreichen Wein habe ich auch noch einen ultramodernen Wein aus Weißwein und Rotwein, nämlich aus Sauvignon Blanc und Merlot, verkostet.

An diesem Tag besuchte ich auch den Stand des Badischen Winzerkellers (von dem ich ja auf meinem Blog schon einige Weine vorgestellt habe). Dort verkostete ich zwei sehr „junge“, in diesem Fall meine ich eine jüngere Zielgruppe ansprechende, Weine. Der eine war die „Insel Brause“, bei deren Namen ich sowohl an Wein von einer Flussinsel im Rhein als auch an ein limo-ähnliches Getränk mit „Brause“ im Namen denken musst. Die Insel, die aber gemeint war, ist Sylt, und das Brause bezieht sich darauf, dass es ein Secco ist. So kann man sich – bzw. ich mich – irren ;-) Der andere war der „Black Forest“, ein Spätburgunder, bei dem Name, Etikett und Geschmack einen Einklang bilden. Der Black Forest ist meiner Meinung nach ein Wein, der deutschen Rotwein den jüngeren Weintrinkern schmackhaft machen dürfte. Mit seinen Wald- bzw. Tannenaromen spricht er wahrscheinlich die Menschen an, die Gin aus kleinen Heimatbrennereien kaufen und das Angus-Rind vom Bauern aus der Region grillen.

Anschließend besuchte ich die Stände von „Cantina di Vicobarone“, „Piccini“ und „Campo dei gigli“. Ich verkostete u. a. einen Amarone von Campo dei gigli und verschiedene Weine vom Ätna von Piccini, welche wirklich faszinierend waren, da sie einen so mineralischen – ja steinigen – Geschmack hatten, wie ich es von italienischen Weinen nicht kannte … eher von einem Silvaner aus Franken ;-) Diese Mineralität der Ätna-Weine kann ich jetzt noch auf der Zunge fühlen.

Am Stand von der Cantina di Vicobarone haben es mir insbesondere die Semi-Sparkling-Weine angetan, also die Weine, die schäumen, da sie noch Kohlensäure aus der ersten Gärung (die, die aus den Trauben Wein macht) und nicht aus einer zweiten Gärung (die aus Wein Schaumwein machen würde) haben – dieses Verfahren kennt man vom Lambrusco. Und unter diesen Semi-Sparkling war einer, den ich besonders hervorheben muss: der Malvasia, der unglaublich intensiv nach Holunderblüte roch – wie Hugo, nur als reiner Wein! Hätte ich ihn nicht probiert, hätte ich nicht geglaubt, dass so ein Wein möglich ist.

Als nächstes Stand die Champagne auf meinem Programm. Drei der (fast unzählig vielen :-) ) Champagner, die ich versuchen durfte, waren 100% Pinot Meunier. Ich weiß gar nicht, warum diese Champagner so selten sind, haben sie doch ein so intensives und betörendes Bukett. Ein sehr besonderer Champagner war sicherlich der „Frerejean Frères VV 26“ mit seiner ganz eleganten Mineralität. Ganz in den weiter oben schon erwähnten Trend – weg von staubtrocken hin zu mehr (Rest-)Süße – passt, dass am Pommery-Stand ein eigener kleiner Stand im Stand nur für den „SUR GLACE“, einem demi-sec Champagner, der erfrischend sommerlich auf Eis serviert wird, aufgebaut war.

Am Stand von Bollinger führte ich eine – obwohl zeitlich betrachtet recht lange – sehr kurzweilige Unterhaltung über die (Besonderheiten der) Erzeugung von Champagner. Auch durfte ich hier einen der ganz besonderen Champagner verkosten, einen der wenigen (Schaum-)Weine, für den ich keinen Spucknapf benutzt, sondern den ich getrunken habe (etwas anderes wäre auch Frevel gewesen …). Ich bin mir nicht 100%ig sicher – da ich leider kein Foto machen konnte – aber doch sehr sicher, dass es ein „Bollinger Vieilles Vignes Françaises“ war, ein 100% Pinot Noir allerhöchster Qualität mit vielen reifen, gelben Aromen, cremig und rund auf der Zunge, Noblesse pur.

Nach den bis jetzt thematisch sehr präzisen Besuchen (Baden, Italien, Champagne) setzte ich meinen Tag mit ausgewählten Ständen/Weinen anderer Regionen fort: Ich verkostete zwei nicht-oxidativ ausgebaute Tokaj-Süßweine von Gróf Degenfeld, die auf dem besten Weg sind, der Region Tokaj zu altem Glanz zurückzuverhelfen. Auch durfte ich einige Gewürztraminer aus Luxemburg verkosten: sehr angenehm und mich an das Elsaß erinnernd.

Der Stand des Weinguts Tesch durfte natürlich nicht fehlen. Die aufmerksamen Follower meines Blogs wissen ja, dass ich schon einige Weine von Tesch (um genau zu sein: die Riesling-Lagenbox) verkostet und gebloggt habe. Deshalb verkostete ich auf der ProWein insbesondere die nicht-Riesling-Weine, wobei mir besonders der „Deep Blue“, ein Blanc de Noir vom Spätburgunder, in Erinnerung geblieben ist.

Tesch

Zu guter Letzt verweilte ich noch am englischen Stand, der mich insofern überraschte, als dass ich zwar wusste, dass in Südengland Wein angebaut wird, nicht jedoch, dass es englischen Qualitätsschaumwein aus englischem Wein gibt; und so viel sei angemerkt: Der „Nyetimber“ kann mit den Qualitätsschaumweinen dieser Welt mithalten <thumbs up>.

So viel für heute und bis demnächst mit meinem Beitrag zum dritten (und dann auch schon letzten) Tag auf der ProWein.

Viele Grüße

Ihr Michael