Bericht vom Juliusspital.Open 2019 aus Würzburg

Liebe Leser,

in diesem Beitrag berichte ich Ihnen vom Juliusspital.Open, einem Weinfest, einem Open-Air-Konzert, einer Weingutsführung, einer Kulturveranstaltung und das alles auf einmal und noch viel mehr im Juliusspital Würzburg, dem zweitgrößten Weingut Deutschlands (nach Kloster Eberbach) und dem größten Silvanerweingut der Welt. Die Eintrittspreise für Verkostung und Kellerführung wurden mir vom Juliusspital zum Zwecke des Bloggens freundlicherweise erlassen, wofür ich mich herzlich bedanke.

Vom Juliusspital-Parkhaus aus sind es keine zwei Minuten bis zum Park, in dem es neben der Open-Air-Bühne und entsprechender Musik auch ein von (Kunst-)Handwerker-Ständen, an denen zum Beispiel Kamelmilchseifen, Hüte oder mitwachsende Mädchenkleider feilgeboten wurden, umgebenes, gemütlich-fröhliches Weinfest gab, mit allem was dazu gehört: natürlich Wein, aber auch Wildschweinbratwürste, Pulled Pork und Pulled Beef, Spanferkelburger und vielen weiteren Köstlichkeiten mehr. Hinter dem Park ging es hinab in den Keller, in dem man Weine verkosten konnte. Thematisch wohlsortiert, traf ich zuerst auf Theke 1, wo es neben Secco & Sekt die VDP.Gutsweine gab. An dieser Theke habe ich im Übrigen meinen persönlichen Preis-Leistungs-Sieger des Tages probiert – aber dazu später mehr.

An Theke 2 ging es sodann weiter mit den VDP.Ortsweinen und den Weinen der Kategorie VDP.Erste Lage. Hier habe ich vier VDP.Erste Lage Silvaner aus dem Jahr 2018 probiert: von der Würzburger Abtsleite, den Rödelseer Küchenmeister, vom Iphöfer Kronberg und schließlich vom Würzburger Stein. Es soll ja Leute geben, die sagen: „Boden ist Dreck“ und damit meinen, dass der Boden, auf dem die Reben wachsen, keinen großen Einfluss auf den Wein hat, sondern nur als Substrat für die Pflanze dient. Diesen Leuten empfehle ich dringend, einmal diese vier Weine nebeneinander zu verkosten – vier Silvaner vom gleichen Weingut und auch örtlich sehr nah beieinander gewachsen und schließlich auch noch derselbe Jahrgang – und doch so unterschiedlich … einfach krass und beeindruckend.

Schließlich gab es noch Theke 3, wo auch der Kellermeister persönlich zu sprechen war. Hier fand ich die „Weine mit feiner Restsüße“, die Spezialitäten und die Rotweine. An der Spezialitätentheke habe ich sodann auch meine beiden Favoriten des Tages entdeckt: den

  • 2015er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner trocken VDP.Großes Gewächs

und den

  • 2016er Würzburger Abtsleite Traminer trocken VDP.Erste Lage

Wenn Sie einmal die Chance haben, einen dieser beiden Weine – oder gar beide – zu verkosten, verpassen Sie wirklich etwas, wenn Sie sie (also die Chance) nicht nutzen. Weitere sehr, sehr gute Weine – meiner bescheidenen Meinung nach – waren die folgenden:

  • 2018er Würzburger Bacchus VDP.Ortswein; Motiv „Käppele“
  • 2018er Würzburger Abtsleite Muskateller Kabinett VDP.Erste Lage
  • 2016er Würzburger Pfaffenberg Spätburgunder trocken VDP.Erste Lage

Sicher haben Sie bemerkt, dass es sich bei dem zuletzt genannten um einen Rotwein handelt. Dieser Wein hat mich mit seinen tiefen, reifen Aromen von Brombeere, Rinde und Gewürznelke begeistert. Und nun will ich Sie nicht länger auf die Folter spannen und noch meinen persönlichen Preis-Leistungs-Sieger vorstellen:

  • Juliusspital Scheurebe VDP.Gutswein

Neben Theke 3 war eine Aromabar aufgebaut, an der in Weingläsern verschiedenste Duftgeber von Obst über Marmeladen, Gewürzen und Kräutern bis hin zu Gemüse und Würzsoßen bereit lagen und darauf warteten, von den Besuchern erschnuppert zu werden. Das ist ein wirklich schönes Training für die Nase und macht auch noch – wenn man sich zumindest ein wenig kindlichen Spieltrieb bewahrt hat – richtig Spaß.

Nach der Verkostung nahm ich an einer Führung durch die Betriebsräume und den Fasskeller teil, während der wir auch an einem kleinen Schauweingarten vorbei kamen, an dem die drei Bodenarten, auf denen das Juliusspital Wein baut, zu sehen waren.

Von vorne nach hinten erkennt man in rot den Buntsandstein, in gelb den Muschelkalk und in weiß und grau den Gipskeuper. Ein weiteres Highlight der Tour war die Besichtigung der steinernen Gründungsurkunde des Juliusspitals, in deren Relief die älteste bekannte Darstellung eines Bocksbeutels zu sehen ist (in der Mitte des Bildes).

Wir – die Teilnehmer der stündlich stattfindenden Tour – erfuhren viel über die Geschichte des Spitals und dessen heutige Aufgaben, den Weinbau ganz allgemein und den in Franken im Speziellen. Zu guter Letzt besichtigten wir den Fasskeller mit den vielen großen Holzfässern (die älteren in rund, die neueren in oval), von denen etliche aufwändig mit Schnitzereien verziert sind. Diese Tradition wird im Übrigen bewahrt, denn auch brandneue Fässer sind mit Kunstwerken versehen.

Alles in allem war das ein super schönes Event, von dem ich sehr froh bin, es besucht zu haben!

Michael