Vinum Hadrianum – eine Weinzeitreise ins antike Rom

Guten Tag,

vor einigen Wochen bin ich auf ein Weinprojekt aufmerksam gemacht worden, das mich sofort fasziniert hat. Wir kennen die alten Römer aus dem Geschichtsunterricht in der Schule, von Geschichten und Legenden die Caesaren und andere Persönlichkeiten betreffend, aus der Bibel und vielleicht aus Museen. Wie aber war das normale Leben im alten Rom? War es wirklich so, wie es die großen Kinofilme und die berühmten Gallier-Comics darstellen?

Eine Frage, die mich schon lange beschäftigt hat, ist, wie antikes römisches Essen geschmeckt hat – deshalb habe ich mir auch mal ein Römer-Kochbuch zugelegt. Ich muss aber zugeben, noch nie etwas daraus gekocht zu haben. Eine eng damit verwandte Frage ist, wie „echter“ römischer Wein geschmeckt hat. Und hier setzt das Weinprojekt an, von dem ich Ihnen erzählen will. Ein berühmter, antiker römischer Wein – der Vinum Hadrianum – soll wieder auferstehen. Das klingt verrückt? Naja, dann passt es ja zu dem Berühmten Gallier-Comic-Zitat: „Die spinnen …“ ;-)

Stellen Sie sich den Namen des Weines vor, der für Sie der beste, luxuriöseste oder der bekannteste ist. So in etwa muss sich der Name „Vinum Hadrianum“ für die alten Römer angefühlt haben. Er war im gesamten römischen Reich bekannt und wurde sogar von Plinius dem Älteren erwähnt.

Vermutlich muss man etwas verrückt sein, nicht nur auf die Idee zu kommen, einen solchen Wein wiedererstehen zu lassen, sondern das auch noch durchzuziehen und dabei alles so zu machen, wie es die Römer gemacht haben: keine Chemie, kein chemischer Dünger, keine Mechanisierung und (für die Zukunft geplant:) gereift in Amphoren. Es soll ab diesem Herbst einen Rotwein mit Namen „Maximo“ und einen Weißwein – eigentlich ein Orange Wine – mit dem Namen „Aelio“ geben.

Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich auch, wer so verrückt und so passioniert ist. Es ist Piero Pavone aus der italienischen Stadt Atri, die in der Antike Hadria hieß. Die Gegend, in der der Wein bei den Römern wuchs und jetzt wieder wächst, ist dabei alles andere als dem Weinbau entgegenkommend: Die Region um Hadria wird sogar als Calanchi – zu Englisch: Badlands – bezeichnet. Diese raue, steinige, verschliffene Gegend ist zwar für den Menschen, der Wein bauen will, hart – bereitet den Reben aber die Voraussetzung für besondere, hochqualitative Weine. Darüber hinaus ist die Landschaft ein Schatz für die Natur, für die Tiere und Pflanzen, was auch den WWF beeindruckt hat.

Der Boden eignet sich daneben auch für die Töpferei, wodurch die Nachbarstadt von Atri, Castelli, weltberühmt wurde. Keramiken von dort haben es wohl bis in den Louvre und die St. Petersburger Eremitage geschafft. Aus diesem Ton und von Handwerkern aus Castelli werden die Amphoren, die für die zukünftigen Jahrgänge des neuen Vinum Hadrianum vorgesehen sind, hergestellt. Natürlich liegt er nicht in Holzfässern – er soll ja wirklich wie bei den Römern schmecken. Die Reben, die schon über 50 Jahre alt sind, wachsen auf der Erde, in der sie – so ist es geplant – vergoren werden. Welch ganzheitliches Konzept!

Ist das nicht eine tolle Idee? Ich finde das Projekt wirklich gut und unterstützenswert. Wein wie bei den Römern. Eine Zeitreise in Flaschen. Der Geschmack der Antike. Und das alles im Einklang mit Mensch, Natur, Tradition, Erde und Kultur. Einfach schön.

Viele Grüße

Michael