RINKE Orange Contrapunkt 2019 đŸ‘đŸź

GrĂŒĂŸ Gott,

ich habe ĂŒberlegt, ob ich diesen Beitrag damit beginnen sollte, Ihnen zu erklĂ€ren, was ein Orange-Wein eigentlich ist. Abgesehen davon, dass es da gar nicht so viel zu sagen gibt (im Wesentlichen, dass es ein Weißwein ist, der wie ein Rotwein vinifiziert, also auf der Schale gĂ€ren gelassen, wurde) habe ich, als ich den Wein verkostet habe, aufgrund seines absolut bemerkenswerten Geschmacks und insbesondere seiner herausragenden Samtigkeit von dieser ersten Idee Abstand genommen. Lieber möchte ich ein kurzes Wort ĂŒber Trends (auch in der Weinbranche) verlieren.

Am – oder eigentlich vor dem – Anfang eines Trends gibt es Enthusiasten, die aus voller Überzeugung ein Nischenprodukt machen. So auch beim Orangewine, wo Leute möglichst ursprĂŒnglichen Wein machen wollten (ungefiltert, aus möglichst wenig gezĂŒchteten Rebsorten, ohne moderne Technick, vielleicht sogar in Erdlöchern vergoren, auf der Schale vergoren etc.). Wie es bei Nischenprodukten eben so ist, finden sie außerhalb der Nische keinen so großen Absatz. Ab und an schafft es aber ein Element aus so einer Nische zum Trend zu werden. Viele (selbsternannte) Trendsetter stellen Produkte bzw. Weine her, die nicht mehr so viel mit den ursprĂŒnglichen Extremprodukten zu tun haben, dafĂŒr aber eine grĂ¶ĂŸere KĂ€uferschicht ansprechen. Daraufhin gibt es zwei Möglichkeiten, was passiert. Entweder es springen sehr, sehr viele Produzenten auf diesen Trend auf und man erhĂ€lt Weine, die sich nur noch wie die eigentlichen Nischenprodukte nennen, aber eigentlich keine sind. Dann ist leider oft Masse statt Klasse angesagt und mehr Wert auf Namen und Etiketten gelegt, als auf den Inhalt. Oder aber (Möglichkeit zwei) es kommt eine Phase, in der Produzenten, die Wert auf höchste QualitĂ€t legen, ein Produkt, das ein oder zwei Merkmale der ursprĂŒnlichen Nische enthĂ€lt, herstellen – jedoch mit dem ĂŒblichen Markt und den selbstgesteckt hohen QualitĂ€tsanforderungen im Einklang. Dann kann etwas Großartiges, ja, Großes entstehen! Und was halten Sie nun davon, wenn ich Ihnen erzhĂ€le, dass das Weingut Rinke aus Mertesdorf – vielfach ausgezeichnet und bekannt fĂŒr seine terrassierten Steilstlagen und Chardonnay-MischsĂ€tze – einen Orangewein keltert? Der Wein ist ein Mischsatz mit circa Neun Zehnteln Chardonnay, dazu Grau- und Weißburgunder und Viognier, eine CuvĂ©e also, die drei Wochen offen auf der Maische gegoren und danach mindestens neun Monate im gebrauchten Barrique gereift ist. So viel kann ich verraten: Meiner bescheidenen Meinung nach ist dem Weingut Rinke mit dem Orange Contrapunkt ein ganz großer Wurf gelungen.

Der Orange Contrapunkt 2019 wurde mir freundlicher- und dankenswerterweise im Rahmen eines Produkttests zum Verkosten und Bloggen kostenfrei vom Weingut Dr. Marion & Alexander Rinke GbR zur VerfĂŒgung gestellt.

Hell, klar, strahlend und mandarinenfarben zeigt sich der schlierenlose Wein, wenn ich ihn ĂŒber ein weißes Blatt Papier halte. So nĂŒchtern diese Weinbeschreibung beginnt, so ĂŒberbordend geht sie ab dem Moment weiter, als ich meine Nase das erste Mal tief ins Glas stecke: „Wow krass!“ schießt es mir da durch den Kopf. Ich erschnuppere neben fruchtigen Noten von ZitronenblĂŒten, Mirabellenlikör und gelben Kiwis auch solche – fĂŒr einen Weißwein – ungewöhnlichen Töne wie kandierte Veilchen, Zitronat und Orangeat sowie Ahornsirup und Vanille … und das alles in einer blumigen, floralen, zitrushaften und sĂŒĂŸen IntensitĂ€t, die sich kaum in Worte fassen lĂ€sst. Über dem Glas ist das Bouquet charakterlich Ă€hnlich, wenngleich nicht ganz so barock. Auch hier sind Mirabellen zu finden, die sich wunderbar mit tiefen Tönen von Marillenlikör, Limoncello und Sahnekaramellen verbinden. Unglaublich weich, sanft und samtig liegt der schwere Wein fast wie Öl auf meiner Zunge, wo ich wiederum Mirabellen, Zitronat und viele, viele sĂŒĂŸe Blumen schmecke. Wenn ich den Wein hinunterschlucke, verbinden sich einmal mehr gelbe FrĂŒchte wie feste Pfirsiche mit GerĂŒchen, die einen an die Adventszeit denken lassen, unter anderem Mandeln und Vanille. Mit der Zeit sowie im sehr langen Abgang kommen abermals tiefe, sĂŒĂŸe Noten von kandierten ZitrusfrĂŒchten und – neu – kandierten Ananas und Maraschino sowie ganz feine, frische, leicht herbe von reifem gelbem Obst (vielleicht sehr reife Aprikosen) zu Tage. Das Durchsprudeln des Weines mit Luft vereint schließlich mit enormer Ausdruckskraft die eben gegebene Beschreibung: Karamell und Ahornsirup, ZitronenblĂŒten und Orangeat, gelbes Obst und kandierte FrĂŒchte sowie viele sĂŒĂŸe Blumen. Einfach nur Wow!

RINKE(R)

Orange
Contrapunkt
2019

ErzeugerabfĂŒllung
Dr. Marion & Alexander Rinke GbR, Mertesdorf
www. rinke-weine .com

– hand picked
– mash fermentation, barrique maturation
– vegan
– without additives (except sulphites)
cultivation without use of herbicides

Deutscher Wein, Landwein der Mosel
EnthÀlt Sulfite/Contains Sulphites
750 ml ALC. 12,0% BY VOL
Produce of Germany

Das ist ein außergewöhnlicher Wein, der es schafft, unbeschreiblich sanft, elegant, samtig zu sein und dennoch eine Power in sich zu haben, wie sie nur höchst selten zu finden ist.

Viele GrĂŒĂŸe

Michael