Weinseminar Piemont mit Francesca von Beust-Luti: Roero Arneis, Dolcetto D’Alba, Vino Rosso, Nebbiolo Langhe, Barbera D’Alba, Roero Riserva, Barolo, Barbaresco

Liebe Leserinnen und Leser meines Weinblogs,

in diesem Beitrag berichte ich Ihnen über das VHS-Weinseminar „Piemont: Fokus auf ‚Die Langhe'“ mit Frau Francesca von Beust-Luti.

Arneis_Grissini.jpg
Arneis und Grissini

Dieses Weinseminar war eine Reise ins Piemont, wo es viele Familien-Winzer-Betriebe und – für Italien ungewöhnlich – viele Sortenreine Weine gibt. Genauer ging die Reise ins südliche Piemont: die Ziele hießen Roero und Langhe. Zwei Gebiete, ganz dicht beieinander, nur – mehr oder weniger – durch den Fluss Tanaro getrennt, und dennoch so verschieden, dass man es den Weinen anmerkt. Begonnen haben wir unsere Reise mit einem Weißwein: Einem Arneis. Diese Rebsorte war in den 80ern durch den damals herrschenden „Chardonnay-Wahn“ vom Aussterben bedroht, freut sich aber heute wieder zunehmender Beliebtheit. Danach kamen sieben Rotweine, wobei Nebbiolo den Abend bestimmte. Aber auch Dolcetto, dessen Name im Übrigen nicht von dolce (süß) kommt, und Barbera wurden verkostet. Das „Bric“ im Namen des Barbera d’Alba bezeichnet im Übrigen die oberste, also beste Lage eines Weinbergs – aber: Wissen Sie auch, was „Loira“ bedeutet???

Bevor ich nun aber mit der Vorstellung der Weine beginne, möchte ich Ihnen noch eine kurze Anekdote erzählen. Als ich das erste mal ein Weinbuch gelesen habe und zum Piemont-Kapitel kam, las ich in der Überschrift statt „… Piemonteser …“ das Wort „… Piemonster …“ und kam nicht auf die Idee, an das Piemont zu denken. Stattdessen überlegte ich bestimmt eine Stunde lang, was ein PIE-Monster sein soll… Oder ob das etwa ein pie (engl.: gedeckter Kuchen)-Monster ist. Aber was macht ein Kuchenmonster im Weinbuch..? Irgendwann habe ich dann weiter gelesen und verstanden, dass es um das Piemont geht und piemonteser wohl das Adjektiv dazu ist. Dann habe ich wahrscheinlich eine Stunde lang gelacht^^ und jedes mal, wenn ich nun „Piemont“ lese, denke ich an die Pie-Monster 😉

Piemont.jpg

  • Roero Arneis – DOCG 2015 – Prunotto – 100% Arneis: Honigmelone, Tulpe, Mineral, schöne Säure, leicht herb – Farbe: helles Strohgelb
  • Dolcetto D’Alba – DOC 2014 – Paolo Conterno – 100% Dolcetto – L’Alto: Heidelbeer, Erdbeermarmelade, Gewürznelken, dünn – Farbe: lila, Brombeer
  • Vino Rosso – 2013 – Giorgio Pelissero – Barbera, Dolcetto, Nebbiolo – Nature-Barlet: Feine Tannine, Anis, Fenchelsaat, Sauerkirsch, Banane – Farbe: bräunlich
  • Nebbiolo Langhe – DOC 2012 – Giorgio Pelissero – 100% Nebbiolo: Leder und Brombeer, sehr leicht, warmer Ziegelstein – Farbe: braun
  • Barbera D’Alba – DOC 2010 – Cascina Chicco – 100% Barbera – Bric Loira: Leder, Rinde, Heidelbeer, Brombeer, Kräuter – Farbe: lila, dunkel, Purpur
  • Roero Riserva – DOCG 2005 – Cascina Chicco – 100% Nebbiolo – Valmaggiore: Zitrone, Sauerkirsch, Heidelbeer, Kräuter, Vanille, Zimtzucker – Farbe: braun
  • Barolo – DOCG 2003 – Prunotto – 100% Nebbiolo „Lampia“ und „Michet“: Leder, Vanille, rotes Fleisch, Kirschen – Farbe: bräunlich, sehr schön rot
  • Barbaresco – DOCG 2003 – Giorgio Pelissero – 100% Nebbiolo – Vanotu: Pflaume, schwarze Johannisbeere, Leder, schwarze Johannisbeer-Gelee, wie Sirup, Holz, Kamillentee, Salbei – Farbe: braun

Was aber nehme ich nun mit von diesem Abend, an dem es zu den Weinen auch Grissini, Schinken, Dinkelbrot, Olivenöl, Salz und Weichkäse gab? 

Wer billige oder einfach zu verstehende Weine sucht, ist im Piemont falsch. Sortenrein, komplex, vielfältig, traditionsreich, strukturiert; das sind die Adjektive, die Piemontwein beschreiben. Und dennoch:

Keine Angst vor den Pie-Monstern^^

Beste Grüße

Michael

Weinseminar Toskana mit Francesca von Beust-Luti: Morellino di Scansano, Chianti riserva, Rosso di Montalcino, Carmignano, Vino Nobile di Montepulciano, LE SERRE NUOVE, Fontalloro

Guten Morgen,

heute berichte ich euch über das Weinseminar „TOSKANA D.O.C.G. UND SUPERTUSCANS“, das ich besucht habe und Frau Francesca von Beust-Luti gehalten hat.

Toskana.jpg

 

 

Mit einer gewissen Vorfreude auf die Weine der Toskana, von denen ich einige schon gut kenne (Chianti, Vino Nobile de Montepulciano), betrete ich den Kellerraum des VHS-Gebäudes und finde mich in einem nüchtern eingerichteten Klassenzimmer wieder. Auf jedem Platz finden sich zwei Weingläser und eine Flasche Wasser. Der etwas schulische und ungemütliche Ersteindruck wird jedoch gleich von der freundlichen und lebhaften Art der Seminarleiterin wettgemacht. Es geht los!

 

 

Wir trinken zuerst fünf klassische Toskanaweine:

  1. Morellino di Scansano 2013 D.O.C.G. Le Pupille
  2. Chianti riserva 2012 D.O.C.G. Piandaccoli Cosmus
  3. Rosso di Montalcino 2014 D.O.C. Argiano
  4. Carmignano 2011 D.O.C.G. Ambra Santa Cristina in Pilli
  5. Vino Nobile di Montepulciano 2010 D.O.C.G. Tenuta di Gracciano della Seta

Alle diese Weine bestehen hauptsächlich oder gar ausschließlich aus Sangiovese, der weit weniger fruchtig als beispielsweise ein Merlot ist, dafür aber Gewürz, Tabak und Kräuter mitbringt. Ich rieche und schmecke knapp zusammengefasst:

  1. Brombeer und Pflaume aber auch bitter und scharf, Lakritz, Kräuter und rote Früchte
  2. Viele schöne Tannine, Weihrauch, Leder, Vanille, Walderdbeeren, Blutorangen
  3. Früchtetee und schwarzer Pfeffer
  4. Rote Johannisbeeren-Gelee, schwarze Johannisbeeren, Süßholz
  5. Erdig, waldig, Sternanis, in Sirup eingelegte Amarenakirschen

Sangiovese hat eine gewisse Tiefe und Erdigkeit, er ist gleichzeitig gefällig und fruchtig (rote Früchte). Manchmal denkt man, dass man gerade noch auf den Trauben kaut, manchmal ist dieser Punkt nicht mehr zu spüren. Alle Weine sind dunkel, wobei manche ins Orange und manche ins Violette gehen.

Dazu essen wir Brot, Fenchelsalami, Ölivenöl aus dem Anbau der Familie der Seminarleitung, Hartkäse, Olivenpaste, Salz und Feigensenf. Inzwischen habe ich die Klassenzimmeratmosphäre vergessen und fühle mich wie in einem Gewölbekeller in der Toskana. Während wir die Weine verkosten, erfahren wir von Frau von Beust-Luti einiges Interessantes über Wein im Allgemeinen, Weine aus Italien und natürlich Weine aus der Toskana:

  • Die Qualitätsbezeichnungen D.O.C. und D.O.C.G. schreiben nicht nur vor, in welcher Region welche Rebsorten angebaut und wie diese verarbeitet werden dürfen, sondern sind auch oft ein Marketing- oder Verkaufsargument. Wer hätte das gedacht? Und so verwundert es auch nicht, dass es immer mehr D.O.C.G.-Gebiete werden…
  • D.O.C. und D.O.C.G. schützt nicht nur die Qualität in Hinblick auf Klima und Region, sondern auch – und das ist ziemlich spannend – in Hinblick auf Tradition und Menschen. So dürfen in manchen Gebieten französische Trauben angebaut werden, weil vor ein paar hundert Jahren durch eine Ehe mit einer französischen Adeligen, die dann samt ihrer Reben in die Toskana zog, eine andere Tradition begründet wurde.
  • Gerade bei Toskanaweinen erkennt man an der Braunfärbung das Alter: Von purpur über rubin zu granat.
  • Ein Brunello di Montalcino liegt mehrere Jahre im Holzfass. Wenn ein solcher Wein nur 18 € kostet, sollte sich der potentielle Käufer fragen, wie das sein kann.
  • DIE Rebsorte der Toskana ist der Sangiovese (weißer Pfeffer, Leder). Es finden sich aber auch Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.
  • Früher war es so, dass im Chianti auch eine gewisse Menge weißer Trauben sein musste. Dadurch hatte der Chianti oft eine braune, unschöne Farbe. Auch heute dürfen noch weiße Trauben beigemischt werden, allerdings nur sehr wenige und kaum jemand macht das.
  • Bei Weingütern mit zwei Weinen (Erst- und Zweitwein) sollte man in schlechten Jahrgängen den Zweitwein kaufen. Denn oft werden Trauben, die eigentlich für den Erstwein gedacht waren auf Grund des schlechten Wetters für den Zweitwein, der deutlisch günstiger ist, genommen 🙂
  • Nur sehr tiefe, extraktreiche Weine vertragen viel Holz!
  • Supertoskaner ist keine offizielle Qualitätsbezeichnung, sondern ein Wort für „super“ Weine der Toskana, die nicht als D.O.C.G. oder noch nicht einmal als D.O.C. verkauft werden dürfen, da sie bestimmte Regeln nicht erfüllen.

Und genau von diesen im letzten Punkt besprochenen Supertoskanern durften wir zwei verkosten:

  1. Le Serre Nuove dell’Ornellaia 2012 Bolgheri
  2. Fontalloro 2010

Der Erste ist ein Cuvée mit hauptsächlich Merlot, was man auch daran merkt, dass er viel, viel, viel fruchtiger ist. Er riecht nach Pflaume und Kirsche. Der Zweite, ein 100%iger Sangiovese, riecht nach Kräutern, Gewürzen, Pink Grapefruit und Brombeer.

Am Ende des Abends bin ich leicht angeheitert und habe zwei Favoriten: Den Chianti Riserva und den Le Serre Nuove, der allerdings ein Stückchen teurer ist…

Und ich habe Lust auf einen ganz anderen Toskanawein, den so vielleicht schon die Familie Medici getrunken hat: Einen FOGLIA TONDA von Piandaccoli. Mal schauen, ob ich irgendwo einen herbekomme…

Beste Grüße

Michael